h. quynh nguyen: Du hast dich oft gefragt, was mich zerreißt.

February 06, 2018

Du hast dich oft gefragt, was mich zerreißt.


Es ist Nacht, ich lehne mich an das Geländer und schaue ins Schwarz. Zum ersten Mal an diesem Abend habe ich das Gefühl, atmen zu können. Nach der letzten Stunde hören sich die einzelnen Personen, die an uns vorbei laufen an als wären sie ganz weit weg. So findet man also seine Ruhe in der Großstadt, denke ich - indem man sich zuerst dem größten Trubel aussetzt. Ich weiß nicht, ob ich mich je daran gewöhnen werde. Du fragst mich, wie es mir hier bisher gefällt und ich versuche irgendwie zu antworten. Das Gesagte vergesse ich sofort wieder - mir wurde diese Frage in den letzten Wochen so oft gestellt. Und als wir dort so stehen in der Kälte, umgeben von einer angenehmen Dunkelheit, fange ich an, den Sommer zu vermissen. Plötzlich stehe ich wieder auf einem Berg in Italien und schaue auf die Stadt, die gar nicht mehr so groß zu sein scheint. Ich erinnere mich an den langen Weg dorthin und wie wir mehrere Pausen einlegen mussten. An die Plumcakes und die Trinkbrunnen. Und dann an die Berge Vietnams, von deren Spitzen immer wieder Freudeschreie ertönten. Ich frage mich, wann ich wieder zurückkommen würde und bin auf einmal wieder traurig. Ich glaube, das war das erste Gefühl von Heimweh - das Sehnen nach einem Zuhause, das womöglich gar keins ist. Vielleicht habe ich deswegen angefangen, es in dir zu suchen.

4 comments:

  1. für immer in love mit deinen texten. ganz ungewohnt in deutsch, aber trotzdem wunderschön.

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    1. <3 Ist auch für mich ungewohnt, auf Deutsch zu posten, aber ich glaub, ich mag's.

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  2. Wunderwunderwundervoller Text!

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  3. Das Ende hat mich mega geflasht

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