h. quynh nguyen: Wir sprachen über alles, aber nicht über das.

January 07, 2018

Wir sprachen über alles, aber nicht über das.


"Ich wusste gar nicht, dass du sowas schaust.", sage ich und stütze meinen Kopf auf meinen Armen ab während ich dich dabei beobachte, wie du eine Zigarette drehst. Ich liege auf deinem viel zu großen Bett in deinem viel zu kleinen Zimmer und fühle mich irgendwie Zuhause. Du hast das Fenster geöffnet, das nun die kühle Nacht herein lässt und ich ziehe die Decke weiter über meinen Körper. "Nicht so oft", sagst du ohne deinen Blick von der kleinen Papierrolle in deiner Hand zu lösen. "Ich hab nur den einen gesehen und dachte, der könnte dir auch gefallen." Ich lache als Antwort kurz auf, schaue dir aber weiter dabei zu, wie du dein kleines Werk vollendest. Ich denke daran, wie es mich stören würde, wären wir zusammen. Rauchen ist total der Minuspunkt an einem Typen, habe ich immer zu meinen Freundinnen gesagt, wenn wir den üblichen Beziehungsmist bequatscht haben. Vielleicht stört mich das deshalb nicht an dir. Weil wir in keiner Beziehung sind. Und weil wir keine Zukunft haben. Weil wir uns in einigen Wochen wahrscheinlich zum letzten Mal sehen werden. Vielleicht ist es deshalb so einfach mit uns. Vielleicht bedeutet mir das hier deshalb nicht so viel. Alles, was wir jetzt machen wird bald nur eine Erinnerung sein. Du wirst bald nur eine Erinnerung sein. Also beginne ich, mir jedes Detail einzuprägen. Angefangen mit den ganzen Klamotten, die auf deinem Wohnheimzimmerboden verstreut liegen über solche unbedeutenden Unterhaltungen von irgendwelchen Filmen, die du dir irgendwann mal angeschaut hast, bis hin zu dir. Dein ehrliches Lächeln, wenn du mir versicherst, dass alles okay ist. Deine dunklen Locken, die dir mittlerweile zu lang gewachsen sind. Oder deine ganz anderen Weltanschauungen, die mich meine hinterfragen lassen. Ich frage mich, ob du jemand wärst, in den ich mich verlieben könnte. Vielleicht, denke ich mir. Vielleicht aber auch nicht, denke ich mir. Und draußen hört man ein Auto am Haus vorbei fahren.

12 comments:

  1. ich bin so froh, dass du wieder zurück bist und mir mit solchen posts meinen morgen versüßt. ich finds toll, dass du wieder auf deutsch schreibst :)

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    1. Ich bin froh, dass es noch Leute gibt, die geblieben sind und sich das durchlesen - danke dir dafür!

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  2. Das hast du schön formuliert. Aber was das mit dem Rauchen angeht: das sehe ich genau wie du. Ich könnte nicht mit einem raucher zusammen sein.

    Und auch, wenn ich weiß, dass ich Menschen nur kurz sehe, dann macht mich das irgendwie freier. :)

    Liebe Grüße

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    1. Ich glaube, wir sind alle ein bisschen freier, wenn wir wissen, dass man nichts zu verlieren hat.

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  3. Ich mag es, wie du mit den Worten umgehst! Ich bin froh auf dich gestoßen zu sein, deine Texte sind wahnsinnig inspirierend und berührend! :)

    Allerliebste Grüße, Isabelle

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    1. Oh, das ist ja ewig her seitdem jemand einfach so auf diesen Blog "gestoßen" ist. Aber ich danke dir! :)

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  4. Der Post, deine Wörter sind so so schön! Ich mag deinen Schreibstil sehr und die Authentizität, mit der du deine Posts verfasst ist einfach wundervoll. :)

    Ganz liebe Grüße an dich, Julia ☾ | www.serendipityblog.de

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  5. Ich fühle mich grade sehr verstanden, Danke, dass du dein und mein Gefühl so schön in Worte fasst! bin so berührt grade...und fange wieder an zu grübeln,aber eigentlich ist es ja okay, sehr sogar.

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    1. Ich wünschte, es gäbe eine Funktion, wo man jemanden drücken kann für einen Kommentar. Danke, Gerda!

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  6. Ich bin verliebt in die Art, wie du schreibst und ich kenne das Gefühl. Ich denke, wie schön es wär jemanden zu haben, aber eigentlich will ich das gar nicht.

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