h. quynh nguyen

March 15, 2019

Dir bricht die Stimme, mir bricht das Herz.

Es ist Sonntag. Ich bin alleine in einer Wohnung, die nicht mir gehört. Sitze an einem Küchentisch, der nicht mir gehört. Trinke Tee aus einer Tasse, die nicht mir gehört. Der Kühlschrank hinter mir summt vor sich hin. Alle paar Minuten höre ich Menschen an der Haustür vorbei laufen, sehe ihre Umrisse durch die Verglasung. Draußen ist es düster. Der Himmel ist grau. Ich bin hunderte von Kilometern von Zuhause entfernt. Ich bin weitere hunderte Kilometer von dir entfernt. Und noch mehr von mir. Ich fühle mich fehl am Platz. Ich fühle mich fehl in mir. Morgen ist ein neuer Tag.

March 10, 2019

Vergiss mich nicht, danke.

Es ist okay, dass du mich los lassen willst. Es ist okay. Es tut mir leid, dass ich wieder nicht genug bin. Und dass ich wieder viel zu viel bin. Alles gleichzeitig. Schon wieder. Und ich weiß nicht, wieso das immer wieder passieren muss, aber das tut es. Vielleicht habe ich noch nichts gelernt. Vielleicht auch einfach noch nicht genug. Vielleicht muss es noch ein paar Mal geschehen, dass jemand seine Meinung ändert, damit ich endlich verstehe, es geht nicht darum, zu gewinnen, sondern darum, zu durchleben. Zu kapieren, dass jeder Schritt, ob klein oder groß, ob leicht oder schwer, ein weiterer nach vorne ist und niemals zurück. Und schmerzt er auch viel mehr als gewollt, so wird er in Erinnerung bleiben. So intensiv er sich jetzt anfühlen mag, so wird er nicht für immer sein. Und irgendwann werde ich sehen, dass alles einen Sinn ergibt. Und dass alles einen Wert besitzt, der Teil der großen Story ist. Und du, du wirst weitere Leben berühren und weitere Schritte gehen und ohne dass sich unsere Wege nochmals kreuzen, werden wir beide letzten Endes an der selben Stelle stehen. Zu anderen Zeitpunkten, mit anderen Menschen und anderen Geschichten. Du nicht bei mir, ich nicht bei dir. Aber beide angekommen.

February 16, 2019

Weitermachen

Es ist nachts, ich starre an meine Wand und habe das Gefühl, jeden Moment einschlafen zu können. Leise elektronische Klänge werden im Hintergrund zu einem Zusammenspiel meiner Gedanken, die ich nicht einzuordnen weiß. Du liegst neben mir und schaust an meine Decke wie in so vielen Nächten ich das gemacht habe. "Das hört sich so an als wärt ihr seelenverwandt irgendwie.", sagst du. "Als wärt ihr so richtig verbunden, weißt du?" Ich muss kurz lachen, aber es klingt müde. "Keine Ahnung.", erwidere ich. "Das spielt sowieso keine Rolle mehr, ich muss weiter machen." Mein Kopf will über deine Worte nachdenken, aber ich erlaube es nicht. Ich muss weiter machen. "Aber ist das nicht so wie auf etwas besseres warten?", fragst du. "Nein.", antworte ich, ein wenig zu schnell. "Nein, das ist es nicht. Es heißt nur ... weitermachen halt. Ohne warten, ohne suchen." Du schweigst und ich weiß, dass du mir nicht glaubst. Wir sagen eine ganze Weile nichts und hören dabei zu wie das Lied wechselt. "Weißt du", ergreifst du dann wieder das Wort. "Es ist eigentlich zu beneiden, mit jemandem so eine Verbindung zu haben – das passiert so selten im Leben. Aber ich würde trotzdem nicht gern in deinen Schuhen stecken wollen. Es wird schwierig, da wieder ranzukommen, wenn man es schonmal erlebt hat." Ich spüre etwas in mir knacken, aber ich schiebe es weg. Ich muss weiter machen. Ich muss einfach.

(P.S. Könnt ihr mir Schreib-Blogs empfehlen oder habt selbst einen, den ich mir angucken kann? Ich würde gerne mehr Gedanken von anderen lesen, aber irgendwie sind alle inaktiv, die ich früher gerne gelesen habe ...)